Gebärden
Gebärdensprachen werden von Gehörlosen zur sprachlichen Verständigung eingesetzt. Sie sind in ihrer Komplexität und Qualität gesprochenen Sprachen gleichwertig. Gebärden bestehen aus den Komponenten Gebärdenmimik, Mundbild, Handzeichen und Bewegung, bzw. Haltung von Kopf und Oberkörper.
Für die Verständigung zwischen Hörenden und Gehörlosen hat sich das System der Lautsprachbegleitenden Gebärde (LBG), etabliert. Dieses Gebärdensystem folgt in seiner Syntax der gesprochenen Sprache, Wort für Wort wird die Lautsprache mit Hilfe von Gebärden übersetzt.
Fundamentale Voraussetzungen für das Erlernen von Sprache sind Koordinations-, Imitations- und Merkfähigkeit. Die Entwicklung der Symbolfunktion als der Fähigkeit, Handlungen, Ereignisse und Objekte anhand eines Symbolsystems wie Laut- oder Gebärdensprache innerlich zu repräsentieren und mit diesem System zu operieren, ist Grundlage für die Entwicklung von Sprache.
Die Ausführung der Gebärden muss an die jeweils vorhandene Sehfähigkeit angepasst werden. Reicht das Sehvermögen zur visuellen Erfassung nicht aus, werden die Gebärden taktil wahrnehmbar angeboten. Beim taktilen Gebrauch von Gebärden unterscheidet man drei voneinander abgrenzbare Einsatzformen:
Geführte Gebärden: Die Gebärden werden mit den Händen an seinem Körper ausgeführt. Dies birgt die Gefahr in sich, dass die Gebärdeten passiv werden. Auch wird nicht deutlich, wer Sprecher („ich") und wer Hörer („du") ist.
Gebärden, ausgeführt in der Monologposition: Der Gebärdete wird angehalten, die Gebärden beim Partner abzufühlen, eigene Gebärden jedoch frei oder unter den Händen des Partners auszuführen. Wechselseitige Gesprächsform bedingt dann den Handwechsel, was zum Abbruch des Gesprächs führen kann. Vorteil ist die recht einfache, in Unterstützungen durch den Gesprächspartner eingebundene motorische Handhabbarkeit.
Gebärden, ausgeführt in der Dialogposition: Jeder der Kommunikationspartner benutzt eine Hand als aktiv gebärdende, die andere als verstehende Hand. Bei der Ausführung von Beidhandgebärden muss dann die Partnerhand mit benutzt werden. Bei dieser Form ist ein schneller Sprecher-Hörer-Wechsel möglich. Wichtig ist in jedem Fall die Beachtung der Rechts/Links-Händigkeit und der Bewegungsrichtung.




