Was bedeutet blind sein?
Aufgrund ihrer Behinderung sind für sehbehinderte und blinde Menschen viele alltägliche Situationen erschwert: als Beispiele seien Kontakte mit anderen, Zugang zu Informationen, Orientierung im Verkehr, Einkaufen, Arbeiten im Haushalt oder Freizeitgestaltung genannt. Einiges kann durch Erlernen besonderer Techniken (z.B. Punktschrift, Orientierung mit dem weissen Stock) kompensiert werden, anderes ist nur mit sehender Begleitung und Hilfe zu erreichen.
Was ist Punktschrift?
Die Punktschrift, oder auch Blindenschrift genannt, wurde vor bald 200 Jahren von Louis Braille entwickelt. Die einzelnen Buchstaben, Zeichen oder Zahlen werden durch verschiedene Kombinationen von maximal sechs erhabenen Punkten dargestellt. Die Punktschrift macht so das geschriebene Wort für blinde Menschen zugänglich. Auch heute noch, im Zeitalter von Audiobüchern, bleibt die Punktschrift unverzichtbar: als Lesezeile am Computer, für kleine Notizen oder die Beschriftung von Gegenständen wie Musik-CDs, Jasskarten, Gewürzen, Medikamenten usw.

Was ist Taubblindheit?
Taubblinde Menschen sind von einer doppelten Sinnesbehinderung betroffen, wobei sowohl das Sehen als auch das Hören vermindert sind oder ganz wegfallen. Das bedeutet nebst den Einschränkungen, die eine Sehbehinderung oder Blindheit mit sich bringt, zusätzlich eine massive Erschwernis für die Kontaktaufnahme mit anderen Menschen. Je nach Alter und Schweregrad, mit dem die Behinderungen auftreten, sind verschiedene Kommunikationssysteme anwendbar. Nebst Fingeralphabet und Gebärdensprache ist vor allem das Lormen eine geeignete Kommunikationsform.
Was ist Lormen?
Lormen ist eine Kommunikationsform für taubblinde Menschen, benannt nach ihrem Erfinder Hieronymus Lorm. Beim Lormen werden die Buchstaben durch streichen, tippen, umgreifen und trommeln an verschiedene Stellen in die Hand des Gesprächspartners geschrieben.
Durch das Lormen kann man zu einer beachtlichen Sprechgeschwindigkeit - maximal 75 Silben pro Minute - kommen, aber man erreicht nicht die normale Sprechgeschwindigkeit der hörenden und sehenden Menschen.
Auch wenn das Lormalphabet auf den ersten Blick recht kompliziert erscheint, ist nach einiger Übung eine relativ schnelle Verständigung mit einem taubblinden Menschen möglich. Versuchen Sie es doch einmal!
Wozu dient der Tag des weissen Stockes?
Am 15. Oktober, dem Internationalen Tag des weissen Stockes, wird auf die besonderen Bedürfnisse blinder Menschen hingewiesen. So wird an den Vortritt eines Blinden mit weissem Stock beim Überqueren der Strasse vor allen anderen Verkehrsteilnehmern erinnert. Daneben bietet der 15. Oktober die Gelegenheit, über weitere Hindernisse für Blinde im Bezug auf die volle Teilhabe am öffentlichen Leben zu informieren und die Gesellschaft für die Probleme und Anliegen Betroffener zu sensibilisieren.

