Blindengolf: Dank der CAB jetzt auch in der Schweiz

Er war ein voller Erfolg: Der erste Blindengolf-Kurs, den die CAB dank der Zusammenarbeit mit dem Golfpark Migros in Holzhäusern bei Rotkreuz durchführen konnte.

Instruktion der Gruppe
Kurze Instruktion auf dem Golfplatz, bevor es los geht. Und dies von niemandem Geringerem als vom Head Pro vom Golfpark Migros Holzhäusern, Julian Myerscough. Mit seinem trockenen schottischen Humor hatte er die Gruppe augenblicklich auf seiner Seite.

Den sechs blinden und sehbehinderten Teilnehmenden und auch ihren sechs Begleiterinnen und Begleitern war die Begeisterung richtig anzuhören und ins Gesicht geschrieben.

Seitens der CAB wurde der Kurs geleitet von Karin Becker, einer weltbekannten Blindengolferin aus Österreich, sowie von Thomas Gisler, einem (sehenden) erfahrenen Golfer. Beide voll „anpackend“ und höchst motiviert.

Schon heute ist klar: Die Teilnehmenden waren derart begeistert, dass sie eine Fortsetzung wollen, und sie werden diese auch bekommen: Anlässlich der zweiten Auflage des CAB-Blindengolf-Kurses, im Jahr 2021.

Im Folgenden einige Stimmen zum CAB-Blindengolf-Kurs:

Jacqueline Egger und Rosmarie Willa
Es ist wichtig, dass sich die Teams voll aufeinander verlassen können. Hier zeigt Rosmarie Willa (ehrenamtliche Begleiterin) der blinden Jacqueline Egger, wo sich der abzuschlagende Ball befindet. Die Szene wird von einem Medien-Fotografen festgehalten.

Jacqueline Egger, blinde Kursteilnehmerin, schmunzelt: „Mensch, die ganze Nacht von Samstag auf Sonntag habe ich im Traum Golfbälle abgeschlagen, so intensiv hatten wir am Samstag den Abschlag trainiert“.

Raphaela Bönisch und Lou Weder
Raphaela Bönisch und Zivildienstleistender Lou Weder benützen kurzerhand einen Golfschläger, mit dessen Hilfe Lou Raphaela zum nächsten Tee führt.

Lou Weder, er begleitete als Zivildienstleistender die fast blinde Kursteilnehmerin Raphaela Bönisch: „Ich hatte vor dem Kurs keinerlei Golf-Erfahrung. Es war mir wichtig, dass ich das, was ich bei den Golflehren abschaue, gut in Worte umsetzen kann. Gerade die Körperhaltung beim Abschlag ist sehr wichtig. Es hat mir geholfen, auch mal selbst abzuschlagen. So konnte ich mir vorstellen, wie es für Raphaela sein könnte. Für mich als Begleiter ist es voll cool, die Fortschritte zu sehen, die Raphaela nur schon in den zwei Tagen gemacht hat“.

Raphaela Bönisch
Ein dynamisches, etwas verschwommenes, Bild: Raphaela Bönisch beim Abschlag.

Raphaela Bönisch, sie sieht noch Hell und Dunkel: „Mir ist es wichtig, dass die Begleitperson während der gesamten drei Tage die gleiche bleibt. So kann ich ihre Instruktionen viel besser einordnen und umsetzen. Der Erfolg hat viel mit gemeinsam gemachter Erfahrung zu tun“.

Gruppe im Abstieg
Ein Teil der Gruppe im Abstieg zum nächsten Tee

Doris Stalder, stark sehbehinderte Kursteilnehmerin: „Ich hatte ein bisschen Erfahrung mit Golfen. Aber erst dank diesem Wochenende würde ich es mir nun zutrauen, mit einer Begleitperson auf einen Golfplatz zu gehen und dort meine Bedürfnisse als Sehbehinderte anzumelden“.

Andrea Vetsch, Kursverantwortliche der CAB: „Wir sind extrem dankbar für die Zusammenarbeit mit dem Golfpark Migros Holzhäusern. Dank dem Zustupf aus einem Migros-Fonds konnten die Teilnehmerbeiträge reduziert werden. Ein Riesen-Merci geht an Peter Kaelin und an Benji Furrer von der Leitung des Golfparks. Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Golfparks war von allem Anfang an unkompliziert und von Begeisterung für dieses für die Schweiz innovative Projekt inspiriert.“

Höchst erfreulich war das breite Medien-Interesse: Es erschienen Beiträge in der Zuger-, Obwaldner, Nidwaldner- und Urner Zeitung sowie auf Luzerner Zeitung online: Hier geht’s zum Beitrag (exklusiv für Abonnentinnen und Abonnenten). Hier geht’s zur Abschrift aus der Zuger Zeitung vom 25. August 2020

Karin Becker
Auch Karin Becker aus Innsbruck konnte als bekannte Blindengolferin sofort als Kursleiterin gewonnen werden. „Ich war sehr froh, zu erfahren, dass in der Schweiz eine Initiative entsteht“, sagt die engagierte und sympathische Österreicherin. Ihr Feuer für den Blindengolfsport überträgt sich im Nu auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Karin ist eine Motivatorin, wie sie im Buch steht.

Und ein TV Beitrag auf Tele1, dem Zentralschweizer Fernsehen, der die Stimmung am Kurs gut vermittelt, ausgestrahlt am 23. August 2020
Autorin: Anita von Rotz
Hier geht’s zum TV-Beitrag

Beitrag auf der Online-Plattform PILATUS TODAY (23.8.2020):
Hier geht’s zum Beitrag auf PILATUS TODAY

Mehr Infos über die Blindengolferin Karin Becker gibt es in einem Beitrag von Stephan Schoettl auf GolfPost.de, erschienen am 20.12.2015: Hier geht’s zum Beitrag auf GolfPost.de

 

 

 

Text: Roland Gruber
Fotos: Roland Gruber und Andrea Vetsch


Abschrift aus der Zuger Zeitung vom 25. August 2020

Mit Golfschläger und Blindenstock auf Kurs

In Holzhäusern hat vor kurzem der erste Golfkurs für Blinde und Sehbehinderte stattgefunden.

Gemächlich positioniert sich die Dame beim ersten Abschlagplatz im Migros Golfpark Holzhäusern. Sie holt aus und schlägt den Ball in hohem Bogen über den Rasen. Schliesslich greift sie nach ihrem Blindenstock und spaziert mit ihrer Begleitperson zum nächsten «Tee» – der kleine Stift, der für den Abschlag in den Boden gesteckt wird. Bei besten Wetterverhältnissen fand am vergangenen Wochenende zum ersten Mal in der Schweiz ein Golfkurs für Blinde und Sehbehinderte Menschen statt. Nach zwei Einführungstagen auf dem Trainingsgelände tummelte sich das heitere Grüppchen Sonntagnachmittag bereits auf dem Golfplatz. «Wir waren von Anfang an begeistert von der Idee, ganz nach unserem Motto <Golf für alle> soll der Sport auch für Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung möglich sein», erklärt Peter Kälin, Leiter Migros Golfpark Holzhäusern. Golf sei auch für Sehbehinderte ein optimaler Sport. Er fördert die Orientierung, die Mobilität, das Gleichgewicht und die Beweglichkeit und kann dank sehender Begleitpersonen an der frischen Luft ausgeführt werden.

Für den Golfkurs extra angereist

«Unser Ziel heute ist es einen stressfreien Spaziergang auf dem Golfplatz zu geniessen und dabei auch etwas über die Regeln des Spiels zu erfahren», sagt Julian Myerscough, Head Pro vom Golfpark Holzhäusern. Die Sicherheit der anderen Spieler nicht zu gefährden stehe da an oberster Stelle. «Steht ihr in der Nähe von einem Gebüsch, müsst ihr laut <Fore> rufen um sicher zu gehen, dass sich da niemand versteckt.» Seine «Schäfchen » kennen keine Schüchternheit und üben lauthals ihre Fore-Rufe. Nach 30 Jahren als Golflehrer zieht Myerscouph ein «Caddy» voller Erfahrungen mit sich und betont: «Wenn man weiss, wo der Ball liegt, muss man ihn nicht sehen.» Pascal Leinenbach hält zum ersten Mal einen Golfschläger in der Hand. Der 37-Jährige ist seit einem Unfall vor 19 Jahren blind. Für den Golfkurs ist er eigens aus Maloja angereist. «Der Zusammenhalt in der Gruppe war von Anfang an toll», schwärmt er. «Ich habe dieses Wochenende definitiv die Freude am Golfen entdeckt und hoffe meine neuen Kolleginnen und Kollegen wieder mal auf dem Rasen anzutreffen.» Trotz allgemeiner Begeisterung galt es auch Herausforderungen zu überwinden: «Für mich war es am Anfang sehr schwer, ich konnte mir von nichts eine Vorstellung machen», gesteht Raphaela Bönisch aus St. Gallen. Die 39-Jährige sieht seit Geburt nur hell und dunkel. Dank der Hilfe ihrer Begleitperson sei sie aber immer besser klar gekommen. «Wir haben unsere eigene Technik herausgefunden », sagt Bönisch lachend. «Wir laufen beispielsweise den Golfplatz ab und zählen Schritte, so klappt es ganz gut.» Kursleiterin Karin Becker aus Innsbruck steht etwas abseits der Gruppe und ist angesichts der Freude der Teilnehmenden sichtlich gerührt. «Ich freue mich ganz einfach, dass ich Interessierten den Enthusiasmus am Golfsport weitergeben kann.» In ihrer Heimat habe die Inklusion von Blindengolf bereits vor vier Jahren stattgefunden. «Ich hoffe sehr, dass sich in der Schweiz eine ähnliche Entwicklung zeigt.» Ein Ziel hat die Gruppe ohne Zweifel erreicht: Der Spaziergang über den Golfplatz war stressfrei und gelernt haben die Teilnehmenden ebenfalls einiges. «Ich kann mir gut vorstellen, das wieder mal zu machen», sagt Raphaela Bönisch abschliessend.

Golfkurs

Der dreitägige Golfkurs für Blinde und Sehbehinderte in Holzhäusern wurde von der Selbsthilfeorganisation Schweizerische Caritasaktion der Blinden (CAB) in Zusammenarbeit mit Migros Golf park Holzhäusern lanciert. Sechs Personen aus der ganzen Schweiz nahmen gemeinsam mit ihren von CAB ausgebildeten Begleitpersonen am vergangenen Wochenende daran teil. Der Migros Golfpark Holzhäusern übernahm die Hälfte der Kursgebühren. Geleitet wurde der Kurs von der Österreicherin Karin Becker, sie ist eine der besten Blindengolferinnen der Welt. (sas)

Die neuen CAB-Tandems sind eingeweiht

Nun sind sie endlich eingeweiht: Die drei Tandems, welche die CAB dank einem erhaltenen Legat für Ihre Bewegungskurse anschaffen konnte. Am 20. Juli wurden sie anlässlich einer kleinen Feier im CAB-Sommerkurs „Aktiv am Ägerisee“ den CAB-Kursen und somit den Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern übergeben.

Auf dem Beitragsbild zu sehen: Drei Ehrendamen waren im Einsatz: Sevgi Sahin und Martina Dillier hielten das berühmte rote Band, welches von Lisbeth Bürgi durchschnitten wurde. Daniel Borter, seines Zeichens Tandem-Verantwortlicher in diesem Kurs, fährt über die „Ziellinie“, nachdem das Band durchtrennt worden war.

Daniel Borter, der vor gut einem Jahr in die Ehrenamtlichen-Arbeit eingestiegen war:

„Ich bin von null auf hundert gestartet. Im Wallis habe ich Blinde beim Ski-Fahren beobachtet, und davon war ich voll fasziniert. Heute verbringe ich meine Freizeit mit Blinden und Sehbehinderten, und zwar genau mit den drei Sportarten, die ich sowieso ausübe: Ski Alpin, Ski-Langlauf und Velofahren. Es bereitet mir viel Freude, Blinde und Sehbehinderte beim Sport zu begleiten“. (Daniel Borter)

Lesen Sie mehr zu diesem gelungenen Event in unserem Facebook-Post.

Der CAB-Aktiv-Sommerkurs, wird auch 2021 von den bewährten und kompetenten CAB-Kursleiterinnen Doris Blum und Anna Schori geleitet. Er wird im Hotel Allegro in Einsiedeln stattfinden, und zwar von Samstag 17. bis Samstag 31. Juli 2021.

SwissCovid App seit 25. Juni erhältlich

Schon auf fast einer Million Geräten ist die SwissCovid App in der Schweiz installiert. Die App ist für Blinde und Sehbehinderte zwar mit VoiceOver grundsätzlich bedienbar. Die Installation der App ist hingegen leider nicht ganz barrierefrei.

Sandro Lüthi, Leiter der Apfelschule, hat deshalb eine hilfreiche Schritt-für-Schritt-Anleitung für IOS-Geräte verfasst.

Hier geht’s zur Schritt-für-Schritt-Installationsanleitung der Apfelschule.

Interessant: Auf dieser Seite des Bundesamts für Gesundheit (BAG) kann verfolgt werden, wie sich die Anzahl Downloads entwickelt. Aktueller Stand vom 29.6.2020: 915’965 Downloads.

 

 

Augenblicke 2/2020

Am 10. Juni ist der Versand der zweiten Augenblicke-Ausgabe 2020.

Ruth Häuptli, CAB-Präsidentin:

„Lesen Sie unter anderem, wie die praktisch blinde Sheila Brunner ihr Leben meistert und sich selber für Menschen in schwierigen Lebenssituationen engagiert. Erfahren Sie zudem Wissenswertes zum Schweizer Blindenwesen und zu unserem Vorgehen bei der Auswahl, Organisation und Durchführung unserer Kurse“.

In ihrer beliebten Kolumne gewährt Ihnen Christine Müller einen lebendigen Einblick in ihre Vorbereitungen als Gastgeberin. Christine Müller ist taubblind.

In der Rubrik „Tatsachen und Mythen rund ums Auge“ erfahren Sie u.a. ob es stimmt, dass Lesen bei schlechten Lichtverhältnissen den Augen schadet.

Hier können Sie Augenblicke 2/2020 lesen und herunterladen (PDF).

Ein Schutzkonzept – auch für CAB-Kurse

„Bei der CAB, und im Speziellen im CAB-Kurswesen, werden die Bundesratsentscheide mit Spannung erwartet“, war in der letzten Newsmeldung, noch vor der Bundesrats-Medienkonferenz vom 27. Mai, zu lesen. Unterdessen ist klar: Die CAB Kurse können wieder starten: Mit dem Wandertag im Entlebuch am 17. Juni (musste wetterbdingt verschoben werden auf den 22.7.2020) sowie mit der Wanderwoche im Binntal von 20. bis 27. Juni 2020. Und auch alle Sommer- und Herbstkurse können aus heutiger Sicht stattfinden. Eine wichtige Voraussetzung dazu ist ein Schutzkonzept. Dieses wurde in den letzten Wochen von Andrea Vetsch, der Leiterin des CAB-Kurswesens erstellt.

„Nebst der Erstellung des Schutzkonzeptes ist es mir sehr wichtig, dass ich mich punkto gesetzlicher Vorgaben stets auf dem Laufenden halte. Es geht kaum ein Tag vorbei, an welchem ich nicht auf die Website des Bundesamts für Gesundheit BAG schaue. Die CAB hält sich strikte an die behördlichen Weisungen.“ (Andrea Vetsch)

Download Schutzkonzept CAB-Kurse Stand 22.06.20

CAB-Kurse: Von bevorstehenden Lockerungsmassnahmen, Mindestabstand und Schutzkonzept

In dieser Woche (am Mittwoch) informiert der Bundesrat voraussichtlich über weitere Lockerungsmassnahmen, die am 8. Juni in Kraft treten sollen. Bei der CAB, und im Speziellen im CAB-Kurswesen, werden die Bundesratsentscheide mit Spannung erwartet.

Roland Gruber (RG) Konnte die Kursverantwortliche der CAB Andrea Vetsch (AV) zu den Auswirkungen des Corona-Virus auf CAB-Kurse befragen.

RG: Andrea Vetsch, als Leiterin des Kurswesens der CAB war es für Dich und für Dein Team bestimmt eine sehr spezielle Zeit… Musstest Du viele CAB-Kurse absagen? Oder konntest Du sie auch verschieben?

AV: Ja, das kann man so sagen. Wer hätte das anfangs Jahr gedacht? Wir waren so zuversichtlich, die Zahl der Anmeldungen war bis Ende Februar sehr viel höher wie jene im Vorjahr. Wir dachten: „Schön, unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich langsam an die neuen Kursorte gewöhnt.“ Und dann kam es halt anders. Auf diese Situation waren wir natürlich nicht vorbereitet. Wir nahmen und nehmen die Situation ernst, wollten aber auf keinen Fall Angst verbreiten. Ich finde es schrecklich, wie sehr wir rundherum mit Negativschlagzeilen bombardiert wurden. Als Anhängerin der limbischen Sprache weiss ich, was Worte mit uns Menschen machen. Mir war von Anfang an wichtig, die Kurse wenn immer möglich zu verschieben und wenn sie dann abgesagt werden mussten, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf ein Alternativangebot zu einem späteren Zeitpunkt aufmerksam zu machen. Das ist uns gut gelungen.

RG: Wie sahen denn Deine Arbeitstage zu Zeiten des Lockdowns so aus?

AV: Wir waren ja meist im Home Office, was den Austausch im Team etwas erschwerte. Dafür wurde der Austausch mit den anderen Organisationen sehr wichtig und ich lernte, Videochats durchzuführen. Schon grossartig, diese Technologie! Die grösste Herausforderung war, dass wir nur sehr kurzfristig planen konnten und die jeweiligen Informationen der Behörden abwarten mussten. Das ist auch jetzt noch der Fall. Wir planen intensiv die Wanderwoche im Juni, müssen aber für die definitive Durchführung die Mitteilungen des Bundesrates Ende Mai abwarten.

RG: Eine Deiner wichtigen Aufgabe war die Entwicklung eines Schutzkonzepts zur Durchführung der Kurse. Was steht denn da so drin? Wird es starke Auswirkungen auf den «Kurs-Alltag» haben?

AV: Das Schutzkonzept ist auch so eine Sache. Das habe ich inzwischen bereits mehrmals überarbeitet. Ich hoffe nicht, dass die Einschränkungen auf den Kursalltag allzu gross sein werden. Natürlich halten wir uns an die Hygienemassnahmen. Unsere grösste Hürde ist der Mindestabstand von zwei Metern. Genau genommen gilt gemäss den behördlichen Auflagen Maskenpflicht, sofern der Abstand nicht eingehalten werden kann. Vor allem unsere blinden Teilnehmenden sind auf Begleitung bzw. Führung angewiesen. Das geht nicht mit zwei Metern Abstand. Selbstverständlich geht die Gesundheit aller Beteiligten vor. Es gilt nun, die verschiedenen Chancen und Risiken mit gesundem Menschenverstand gegeneinander abzuwägen. Gerade in den Bergen ist die Sicherheit der Teilnehmenden ein wichtiges Kriterium und natürlich möchten wir auch niemanden zwingen, auf einer Wanderung auf 2’000 Metern über Meer eine Schutzmaske tragen zu müssen. Das ist einfach nicht zumutbar. Wir versuchen, dort wo es geht, Abstand zu halten, gewisse Gewohnheiten zu überdenken (Brauche ich wirklich immer Körperkontakt beim Führen?) und fordern alle Teilnehmenden dazu auf, die Hygienemassnahmen einzuhalten. Die Freude am sozialen Austausch und der körperlichen Bewegung sollen aber im Vordergrund stehen. Wir sehen unsere Aufgabe nicht nur darin, die Menschen vor dem Virus zu schützen, sondern Angebote zu schaffen, die sie stärken. Was gibt es da Schöneres als eine Wanderung an der frischen Bergluft? Die Menschen waren jetzt lange genug isoliert. Es ist wichtig, dass alle Teilnehmenden über unsere Schutzmassnahmen informiert sind und dann auch frei entscheiden dürfen, ob sie unter diesen Bedingungen teilnehmen möchten oder nicht.

RG: Nun hat die CAB also ein Schutzkonzept für die Durchführung von Kursen für Blinde und Sehbehinderte. Was braucht es nun noch für Entscheide seitens der Behörden, dass es wieder los gehen kann mit den CAB-Kursen?

AV: Natürlich die Öffnung der Gruppengrösse. Die ist ja immer noch auf fünf Personen beschränkt. Wir gehen aber schon davon aus, dass diese Zahl am 8. Juni angepasst wird.

RG: Bist Du aus heutiger Sicht zuversichtlich, dass die Kurse wieder durchgeführt werden können? Und ab wann denkst Du, geht’s los?

AV: Ja, ich bin sehr zuversichtlich. Ich spüre auch das grosse Bedürfnis der Teilnehmenden. Unser erstes Angebot nach dem Lockdown wird ein Wandertag am 17. Juni an die Kleine Emme sein. Auch für unsere Wanderwoche im Binntal von 20. bis 27. Juni sieht es gut aus.

RG: Hattest Du während der Zeit des Lockdowns Begegnungen oder Telefongespräche mit Kursteilnehmenden oder -leitenden, die Dich besonders beeindruckt haben? Kannst Du uns ein Beispiel nennen?

AV: Hm, da gab es einige. Begegnungen waren ja eher selten in dieser Zeit, umso wichtiger wurden Telefongespräche und Mailkontakte. Ich möchte hier ein grosses Kompliment an unsere Kursleitenden aussprechen. Sie wurden sehr kreativ in dieser Zeit. Sehr berührt hat mich der Anruf einer jungen Teilnehmerin, eine sehr sportliche junge Frau, geburtsblind. Sie hat vor Kurzem den grossen Schritt in die Selbständigkeit gewagt und wurde durch diese Krise hart zurückgeworfen. Sie musste ihr Studium unterbrechen und kehrte während dieser Zeit zu ihren Eltern zurück, denn ohne Begleitung kommt sie nicht aus. Sie hat mich eindringlich gebeten, alles zu unternehmen, dass auch Blinde wieder aus dem Haus dürfen (mit Begleitung). Dann hatten wir auch viele Kontakte zu Personen, die in Institutionen leben und diese für längere Zeit nicht verlassen dürfen. Oder der Anruf eines blinden Teilnehmers, der mich darüber aufgeklärt hat, wie wichtig der Körperkontakt für ihn ist. Einen Kurs mit einer Umarmung abschliessen zu dürfen sei für ihn wie der Himmel auf Erden. Er zehre sehr lange davon. Auch der Händedruck sei ganz wichtig für ihn. Er spüre daraus, wer sein Gegenüber ist und wie er/sie sich gerade fühlt. Diese wichtigen Informationen, die wir Sehenden aus Mimik und Körpersprache so selbstverständlich ablesen, fehlen ihm nun gänzlich. Das hat mich schon nachdenklich gemacht.

RG: Zum Abschluss noch eine bestimmt nicht ganz einfache Frage: Denkst Du, dass diese Corona-Zeit nachhaltige Auswirkungen auf das Bildungswesen für Sehbehinderte haben wird? Zum Beispiel Massnahmen, die in den nächsten Jahren oder sogar für immer gelten werden?

AV: Das glaube ich nicht. Der Appell an die Hygienemassnahmen sehe ich eher positiv, auch langfristig. Der Mindestabstand wird uns bestimmt noch längere Zeit beschäftigen. Wie sagte Herr Bundesrat Berset so schön? „So langsam wie möglich, so rasch wie nötig.“ Wir sagen: „So viel Abstand wie möglich, so sicher wie nötig.“

RG: Vielen Dank für das Interview, Andrea. Und viel Erfolg in Deinem Beruf und auch sonst.

AV: Herzlichen Dank, das wünsch ich Dir auch.

Zeitungsbericht: Blinde sind durch Corona besonders isoliert

Lernen Sie Zina Indermaur kennen, eine junge blinde Frau, die bei unserer Partner-Organisation, dem Schweizerischen Blindenbund, arbeitet. Sie und andere Blinde und Sehbehinderte schildern in einem gelungen Beitrag in „Zürich 2, Lokalzeitung für Wollishofen, Enge, Leimbach und Adliswil“ spannend, realitätsnah und direkt, mit welchen Herausforderungen Blinde und Sehbehinderte in der aktuellen Zeit von social distancing zu kämpfen haben.

Direkt Download der entsprechenden Ausgabe von „Zürich 2, Lokalzeitung für Wollishofen, Enge, Leimbach und Adliswil“, 30. April 2020 (PDF) – den Beitrag finden Sie auf Seite 4.

Hier geht’s direkt zum Download der Ausgabe vom 30. April 2020

Weiterführender Link:

Hier geht’s zur Lokalinfo AG

Ein erstes Stück Normalität kehrt zurück

„Die CAB behält die Situation betreffend der seitens der Behörden verordneten Massnahmen in Zusammenhang mit der Eindämmung des Corona-Virus eng im Blick“.

Das haben wir am 17. März 2020 veröffentlicht.

Und nun ist es soweit: Erste Lockerungsmassnahmen können stattfinden, ab 11. Mai gilt:

Die Geschäftsstelle an der Schrennengasse 26 in Zürich ist wieder im üblichen Rahmen besetzt.

Beratungs-Besuche sind bei Klientinnen und Klienten, die nicht in einem Heim wohnen, wieder möglich. Selbstverständlich besuchen wir nur KlientInnen, die dies auch wünschen und besprechen die erforderlichen Schutzmassnahmen. Für Klientinnen und Klienten, die wir noch nicht besuchen können, z.B. weil sie im Heim leben, verstärken wir nach wie vor die Beratung per Telefon, E-Mail oder Social Media. Telefon 044 466 50 60, E-Mail senden.

Noch etwas unsicher ist die Durchführung von Kurs- und Wanderangeboten. Bis Mitte Juni konnten wir die Mehrheit unserer Kursangebote auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Nach wie vor halten wir uns an die Anweisungen der Behörden und sind daran, in Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen, geeignete Schutzkonzepte zu entwickeln. Wir hoffen sehr, dass wir unsere Wanderangebote im Juni mit den erforderten Schutzmassnahmen durchführen können. Auf www.cab-org.ch/mehrtaegige-kurse und www.cab-org.ch/tageskurse finden Sie Infos über den Status jeder einzelnen Veranstaltung, sobald diese verfügbar sind. Blinde und Sehbehinderte können die identischen Infos ausserdem via VoiceNet akustisch abrufen: Telefon 031 390 88 88, CAB-Rubrik 49.

Wie schon am 29. April mitgeteilt, findet die CAB-Delegiertenversammlung 2020 im Konsultativverfahren statt.

Hier auf www.cab-org.ch sowie via VoiceNet halten wir Sie über Neuigkeiten stets auf dem Laufenden.

Team und Zentralvorstand der CAB wünschen Ihnen gute Gesundheit und alles Gute. Und wir sagen: Auf bald!

Beitragsbild: Arichvbild, aufgenommen anlässlich des CAB-Kulturknallers 2019, Foto: Roland Gruber

Eingetroffen: Das dritte von drei CAB-Tandems

Nun ist auch das dritte der drei neuen CAB-Tandems eingetroffen. Es erstrahlt in einem kräftigen Grün. Dank einem Legat war es der CAB möglich, die drei Tandems anzuschaffen.
 
Die Teilnehmenden der CAB-Bewegungskurse dürfen sich auf drei regelmässig und sorgfältig gewartete Tandems in Top-Zustand freuen.
 
Veranstaltungstipp:
Kreativkurs im Sommer, neu mit Tandem
Datum: 3. August 2020 bis 8. August 2020
Leitung: Theres Raimondi
Ort: Hotel Allegro, Einsiedeln/SZ
 
Ein Highlight aus der Kursausschreibung:
„Daniel Borter, ein Tandempilot mit viel Einfühlungsvermögen und sehr viel Erfahrung wird Sie auf Ihren Touren begleiten, ganz nach Ihren Wünschen und Möglichkeiten.“
 
 
Und hier für Tandem-Freaks und welche, die es werden möchten, einige technische Angaben zum neuen grünen CAB-Tandem der Marke KHS. Es verfügt über:
 
Pedalen: KHS
Gepäckträger, vielleicht fürs Zvieri oder so…
Schutzblech, damit’s nicht zu dreckig wird…
2 Bidon-Halter, für den Durst unterwegs…
Licht, damit wir auch in der Dämmerung gesehen werden…
Ständer, damit das Tandem während der Pause stehen bleibt😊.

CAB-Jahresbericht 2019 ist online

Die Durchführung der CAB-Delegiertenversammlung war, respektive ist, aufgrund des Versammlungsverbots weder am ursprünglichen Datum (25. April) noch am Verschiebe-Datum (6. Juni) möglich. Deshalb findet die CAB-Delegiertenversammlung 2020 im Konsultativverfahren statt. „Gerade auch vor dem Hintergrund, dass für 2020 keine Wahlen vorgesehen waren, stellt das Konsultativverfahren eine gute Lösung in speziellen Zeiten dar“, sagt Rudolf Rosenkranz, Geschäftsleiter der CAB.

Weiterführende Links:

CAB-Jahresbericht 2019 (PDF) deutsch

Das ist der aktuelle Zentralvorstand der CAB

Beitragsbild: Archivbild, aufgenommen an der CAB-Delegiertenversammlung vom 18. Mai 2019 in Olten.