Blindengolf: Dank der CAB jetzt auch in der Schweiz

Die Gruppe mit Wiesenblumen

Die Gruppe auf dem Golfplatz, im Vordergrund farbige Wiesenblumen. Besonders gut zu sehen auf dem Bild: Marzio Medici (ehrenamtlicher CAB-Helfer) und Monia Schenk (stark sehbehinderte Kursteilnehmerin)

Er war ein voller Erfolg: Der erste Blindengolf-Kurs, den die CAB dank der Zusammenarbeit mit dem Golfpark Migros in Holzhäusern bei Rotkreuz durchführen konnte.

Instruktion der Gruppe
Kurze Instruktion auf dem Golfplatz, bevor es los geht. Und dies von niemandem Geringerem als vom Head Pro vom Golfpark Migros Holzhäusern, Julian Myerscough. Mit seinem trockenen schottischen Humor hatte er die Gruppe augenblicklich auf seiner Seite.

Den sechs blinden und sehbehinderten Teilnehmenden und auch ihren sechs Begleiterinnen und Begleitern war die Begeisterung richtig anzuhören und ins Gesicht geschrieben.

Seitens der CAB wurde der Kurs geleitet von Karin Becker, einer weltbekannten Blindengolferin aus Österreich, sowie von Thomas Gisler, einem (sehenden) erfahrenen Golfer. Beide voll „anpackend“ und höchst motiviert.

Schon heute ist klar: Die Teilnehmenden waren derart begeistert, dass sie eine Fortsetzung wollen, und sie werden diese auch bekommen: Anlässlich der zweiten Auflage des CAB-Blindengolf-Kurses, im Jahr 2021.

Im Folgenden einige Stimmen zum CAB-Blindengolf-Kurs:

Jacqueline Egger und Rosmarie Willa
Es ist wichtig, dass sich die Teams voll aufeinander verlassen können. Hier zeigt Rosmarie Willa (ehrenamtliche Begleiterin) der blinden Jacqueline Egger, wo sich der abzuschlagende Ball befindet. Die Szene wird von einem Medien-Fotografen festgehalten.

Jacqueline Egger, blinde Kursteilnehmerin, schmunzelt: „Mensch, die ganze Nacht von Samstag auf Sonntag habe ich im Traum Golfbälle abgeschlagen, so intensiv hatten wir am Samstag den Abschlag trainiert“.

Raphaela Bönisch und Lou Weder
Raphaela Bönisch und Zivildienstleistender Lou Weder benützen kurzerhand einen Golfschläger, mit dessen Hilfe Lou Raphaela zum nächsten Tee führt.

Lou Weder, er begleitete als Zivildienstleistender die fast blinde Kursteilnehmerin Raphaela Bönisch: „Ich hatte vor dem Kurs keinerlei Golf-Erfahrung. Es war mir wichtig, dass ich das, was ich bei den Golflehren abschaue, gut in Worte umsetzen kann. Gerade die Körperhaltung beim Abschlag ist sehr wichtig. Es hat mir geholfen, auch mal selbst abzuschlagen. So konnte ich mir vorstellen, wie es für Raphaela sein könnte. Für mich als Begleiter ist es voll cool, die Fortschritte zu sehen, die Raphaela nur schon in den zwei Tagen gemacht hat“.

Raphaela Bönisch
Ein dynamisches, etwas verschwommenes, Bild: Raphaela Bönisch beim Abschlag.

Raphaela Bönisch, sie sieht noch Hell und Dunkel: „Mir ist es wichtig, dass die Begleitperson während der gesamten drei Tage die gleiche bleibt. So kann ich ihre Instruktionen viel besser einordnen und umsetzen. Der Erfolg hat viel mit gemeinsam gemachter Erfahrung zu tun“.

Gruppe im Abstieg
Ein Teil der Gruppe im Abstieg zum nächsten Tee

Doris Stalder, stark sehbehinderte Kursteilnehmerin: „Ich hatte ein bisschen Erfahrung mit Golfen. Aber erst dank diesem Wochenende würde ich es mir nun zutrauen, mit einer Begleitperson auf einen Golfplatz zu gehen und dort meine Bedürfnisse als Sehbehinderte anzumelden“.

Andrea Vetsch, Kursverantwortliche der CAB: „Wir sind extrem dankbar für die Zusammenarbeit mit dem Golfpark Migros Holzhäusern. Dank dem Zustupf aus einem Migros-Fonds konnten die Teilnehmerbeiträge reduziert werden. Ein Riesen-Merci geht an Peter Kaelin und an Benji Furrer von der Leitung des Golfparks. Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Golfparks war von allem Anfang an unkompliziert und von Begeisterung für dieses für die Schweiz innovative Projekt inspiriert.“

Höchst erfreulich war das breite Medien-Interesse: Es erschienen Beiträge in der Zuger-, Obwaldner, Nidwaldner- und Urner Zeitung sowie auf Luzerner Zeitung online: Hier geht’s zum Beitrag (exklusiv für Abonnentinnen und Abonnenten). Hier geht’s zur Abschrift aus der Zuger Zeitung vom 25. August 2020

Karin Becker
Auch Karin Becker aus Innsbruck konnte als bekannte Blindengolferin sofort als Kursleiterin gewonnen werden. „Ich war sehr froh, zu erfahren, dass in der Schweiz eine Initiative entsteht“, sagt die engagierte und sympathische Österreicherin. Ihr Feuer für den Blindengolfsport überträgt sich im Nu auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Karin ist eine Motivatorin, wie sie im Buch steht.

Und ein TV Beitrag auf Tele1, dem Zentralschweizer Fernsehen, der die Stimmung am Kurs gut vermittelt, ausgestrahlt am 23. August 2020
Autorin: Anita von Rotz
Hier geht’s zum TV-Beitrag

Beitrag auf der Online-Plattform PILATUS TODAY (23.8.2020):
Hier geht’s zum Beitrag auf PILATUS TODAY

Mehr Infos über die Blindengolferin Karin Becker gibt es in einem Beitrag von Stephan Schoettl auf GolfPost.de, erschienen am 20.12.2015: Hier geht’s zum Beitrag auf GolfPost.de

 

 

 

Text: Roland Gruber
Fotos: Roland Gruber und Andrea Vetsch


Abschrift aus der Zuger Zeitung vom 25. August 2020

Mit Golfschläger und Blindenstock auf Kurs

In Holzhäusern hat vor kurzem der erste Golfkurs für Blinde und Sehbehinderte stattgefunden.

Gemächlich positioniert sich die Dame beim ersten Abschlagplatz im Migros Golfpark Holzhäusern. Sie holt aus und schlägt den Ball in hohem Bogen über den Rasen. Schliesslich greift sie nach ihrem Blindenstock und spaziert mit ihrer Begleitperson zum nächsten «Tee» – der kleine Stift, der für den Abschlag in den Boden gesteckt wird. Bei besten Wetterverhältnissen fand am vergangenen Wochenende zum ersten Mal in der Schweiz ein Golfkurs für Blinde und Sehbehinderte Menschen statt. Nach zwei Einführungstagen auf dem Trainingsgelände tummelte sich das heitere Grüppchen Sonntagnachmittag bereits auf dem Golfplatz. «Wir waren von Anfang an begeistert von der Idee, ganz nach unserem Motto <Golf für alle> soll der Sport auch für Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung möglich sein», erklärt Peter Kälin, Leiter Migros Golfpark Holzhäusern. Golf sei auch für Sehbehinderte ein optimaler Sport. Er fördert die Orientierung, die Mobilität, das Gleichgewicht und die Beweglichkeit und kann dank sehender Begleitpersonen an der frischen Luft ausgeführt werden.

Für den Golfkurs extra angereist

«Unser Ziel heute ist es einen stressfreien Spaziergang auf dem Golfplatz zu geniessen und dabei auch etwas über die Regeln des Spiels zu erfahren», sagt Julian Myerscough, Head Pro vom Golfpark Holzhäusern. Die Sicherheit der anderen Spieler nicht zu gefährden stehe da an oberster Stelle. «Steht ihr in der Nähe von einem Gebüsch, müsst ihr laut <Fore> rufen um sicher zu gehen, dass sich da niemand versteckt.» Seine «Schäfchen » kennen keine Schüchternheit und üben lauthals ihre Fore-Rufe. Nach 30 Jahren als Golflehrer zieht Myerscouph ein «Caddy» voller Erfahrungen mit sich und betont: «Wenn man weiss, wo der Ball liegt, muss man ihn nicht sehen.» Pascal Leinenbach hält zum ersten Mal einen Golfschläger in der Hand. Der 37-Jährige ist seit einem Unfall vor 19 Jahren blind. Für den Golfkurs ist er eigens aus Maloja angereist. «Der Zusammenhalt in der Gruppe war von Anfang an toll», schwärmt er. «Ich habe dieses Wochenende definitiv die Freude am Golfen entdeckt und hoffe meine neuen Kolleginnen und Kollegen wieder mal auf dem Rasen anzutreffen.» Trotz allgemeiner Begeisterung galt es auch Herausforderungen zu überwinden: «Für mich war es am Anfang sehr schwer, ich konnte mir von nichts eine Vorstellung machen», gesteht Raphaela Bönisch aus St. Gallen. Die 39-Jährige sieht seit Geburt nur hell und dunkel. Dank der Hilfe ihrer Begleitperson sei sie aber immer besser klar gekommen. «Wir haben unsere eigene Technik herausgefunden », sagt Bönisch lachend. «Wir laufen beispielsweise den Golfplatz ab und zählen Schritte, so klappt es ganz gut.» Kursleiterin Karin Becker aus Innsbruck steht etwas abseits der Gruppe und ist angesichts der Freude der Teilnehmenden sichtlich gerührt. «Ich freue mich ganz einfach, dass ich Interessierten den Enthusiasmus am Golfsport weitergeben kann.» In ihrer Heimat habe die Inklusion von Blindengolf bereits vor vier Jahren stattgefunden. «Ich hoffe sehr, dass sich in der Schweiz eine ähnliche Entwicklung zeigt.» Ein Ziel hat die Gruppe ohne Zweifel erreicht: Der Spaziergang über den Golfplatz war stressfrei und gelernt haben die Teilnehmenden ebenfalls einiges. «Ich kann mir gut vorstellen, das wieder mal zu machen», sagt Raphaela Bönisch abschliessend.

Golfkurs

Der dreitägige Golfkurs für Blinde und Sehbehinderte in Holzhäusern wurde von der Selbsthilfeorganisation Schweizerische Caritasaktion der Blinden (CAB) in Zusammenarbeit mit Migros Golf park Holzhäusern lanciert. Sechs Personen aus der ganzen Schweiz nahmen gemeinsam mit ihren von CAB ausgebildeten Begleitpersonen am vergangenen Wochenende daran teil. Der Migros Golfpark Holzhäusern übernahm die Hälfte der Kursgebühren. Geleitet wurde der Kurs von der Österreicherin Karin Becker, sie ist eine der besten Blindengolferinnen der Welt. (sas)