Das Team des NÄHER ran Newsletters der CAB konnte eine der neuen Kursleiterinnen der CAB, Laila Grillo interviewen.
NÄHER ran: Du bist eine neue Kursleiterin der CAB. Wie kam es dazu?
Laila Grillo: Das war eigentlich ein lustiger Zufall. Ein guter Freund von mir, der bereits Weinseminare der CAB besucht hat, teilte mir mit, dass der langjährige Kursleiter Daniel Borter Ende 2025 das Weinseminar nicht mehr weiterführen würde.
Da ich mich in diesem Zeitraum gerade intensiv mit Weindegustation beschäftigte und es mir sehr viel Freude macht, Wissen zu vermitteln und die Begeisterung für Wein weiterzugeben, kam die Idee spontan, mich bei der CAB als Kursleiterin zu bewerben. Et voilà, nach einem Gespräch mit Andrea Vetsch war dies eine klare Sache. Mein erstes Seminar, das ich nach der Erlangung des WSET Diploma Award in Wines geben darf.
NÄHER ran: Von 3. bis 7. September 2026 wirst Du in der historischen Kartause Ittingen für die CAB das Weinseminar leiten (hier geht’s zur Kursausschreibung). Kennst Du die Kartause Ittingen? Hast Du den Kursort ausgewählt?
Laila Grillo: Ja, die Kartause Ittingen kenne ich aus meinem Landwirtschaftspraktikum. Ich hatte da eine fabelhafte Zeit und konnte im Weinbau, im Hopfenanbau sowie in der Milchviehhaltung mitarbeiten, zusammen mit einem anderen sehbehinderten Mitarbeitenden. Da ich mich an diesem Ort sehr wohl fühle und er auch von der Natur her viel Raum zum Entdecken bietet, war die Wahl sehr einfach. Zudem verfügt die Kartause über einen tollen Weinkeller und eine hervorragende Küche.
NÄHER ran: Es gibt übrigens nur noch wenige freie Kursplätze. Was hast Du vor mit den Kursteilnehmenden?
Laila Grillo: Oh, das Programm wird sehr dicht, aber auch spannend. Ich möchte mit den Kursteilnehmenden die verschiedenen Facetten von Wein erkunden. Eintauchen in die wunderbare Aromenvielfalt, sortentypische Merkmale erkunden. Und natürlich sollen Verkostungen, Kulinarik und die aktive Mitarbeit im Rebberg nicht fehlen. Aber auch Zeit für den Austausch, für einen Spaziergang und des Abends tolles Tafeln gibt es auch.
NÄHER ran: Magst Du uns davon erzählen, wie es zu Deiner Erblindung kam?
Laila Grillo: Ich bin im Alter von 5 Jahren erblindet. Bis dahin hatte ich einen Sehrrest von 5%. Eine Netzhautablösung, bedingt durch die Frühgeburt zusammen mit meiner Zwillingsschwester, führte zur Erblindung. Meine Schwester sieht aber normal. Sie hat jedoch eine leichte Form von Cerebral Parese.
Laila Grillo: Du bist Agronomin und hast einen interessanten beruflichen Werdegang. Bitte erzähl’ uns etwas davon. Und: War es einfach oder schwierig als blinde Studentin im Studium zu bestehen?
Der Wunsch, Agronomie zu studieren kam eigentlich zufällig. Ich besuchte die Wirtschaftsmittelschule und fragte mich, was ich denn danach machen sollte. Einfach beim KV bleiben kam für mich nicht in Frage. Landwirtschaft, das Draussen-Sein in der Natur und Bewegung faszinierten mich schon immer. Als ich dann entdeckte, dass Agronomie studiert werden kann, zögerte ich nicht sehr lange und fragte an, ob sie denn blinde Studierende nehmen würden.
Dank eines sehr aufgeschlossenen Studiengangleiters war die Aufnahme an die Fachhochschule in Zollikofen bei Bern keine grosse Sache. Herausfordernd wurde das Vorstudienpraktikum. Anstelle auf einem einzigen Betrieb, absolvierte ich dieses Jahr in diversen der Landwirtschaft nachgelagerten Betrieben und aber auch auf 2 Landwirtschaftsbetrieben, da ich unbedingt Landwirtschaft praktisch erleben wollte.
So kam ich in die Kartause Ittingen und arbeitete auch auf dem Gut Rheinau, welches wir im Kurs auch besuchen werden.
NÄHER ran: Was machst Du heute beruflich und wo soll die Reise hin gehen?
Laila Grillo: Hm, das ist eine grosse Frage. Ich befinde mich momentan grad in einer Umorientierung. Momentan arbeite ich auf einem Gemüsebetrieb im Baselbiet. Ab Januar sind alle Tore offen. Der Weinkurs ist allerdings fix:-)
Ich möchte mich vermehrt dem Thema Wein widmen, mehr dazu lernen und in näherer Zukunft das Diplom des Weinakademikers erwerben. Dies braucht aber noch eine Weile.
NÄHER ran: Du hast schon viele Länder bereist. Welche Länder waren das? Und hast Du das ganz allein gemacht oder mit Begleitung oder in einer Gruppe?
Laila Grillo: Ja, Reisen ist eine meiner anderen grossen Leidenschaften. Ich war in Canada (Toronto), wo ich einen Englisch-Sprachkurs besuchte. Da wir Verwandte in Canada haben, war dies sehr erleichternd und verschaffte mir einen guten Zugang zum Land.
Ein zweites grosses Abenteuer war Nepal, wo ich 5 Monate verbrachte und meine Bachelorarbeit schrieb. Dies war vom Studium organisiert, doch war ich im Gebiet dann quasi auf mich alleine gestellt. Zusammen mit einer nepalesischen Gastschwester, die mich auch in ihre Familie mit aufnahm, arbeitete ich für Helvetas um Marktzugangsempfehlungen für Kleinbäuerinnen und Bauern zu erarbeiten, wie sie ihre Produkte (Linsen, Sojabohnen) besser vermarkten konnten.
Wieder zu Hause packte mich das Reisefieber erneut und zusammen mit einer Freundin beschlossen wir, Australien und Neuseeland zu erkunden. Dies war ein Abenteuer, bei welchem ich als nicht sehr unterhaltsame Beifahrerin schlafend durchs Land chauffiert wurde. Aber es gab natürlich auch tolle Entdeckungen, als wir Wälder, kleine Städtchen, einsame Hügel und eine Sträflingsinsel erkundeten.
NÄHER ran: Und wie sieht es sonst so mit Hobbys aus? Machst Du Sport, oder vielleicht Musik?
Laila Grillo: Oh ja, Sport nimmt für mich neben der Arbeit viel Zeit in Anspruch. Ich bin im Nachwuchskader von PluSport mit Swiss Paralympics und fahre seit 2024 international und national Skirennen. Zudem klettere ich leidenschaftlich gerne und bin seit 2023 Mitglied im Paraclimbing Team der Schweiz.
Aber ich kann auch gemütlich, koche gerne, trinke natürlich gern ein Glas Wein, werde bei Pâtisserie schwach und tauche gerne in die Welten des Theaters und Oper ab.
NÄHER ran: Diese Frage stellen wir an dieser Stelle gerne blinden oder sehbehinderten Menschen: Welche blindentechnischen Hilfsmittel sind für Dich die wichtigsten und hat sich daran in den letzten Jahren viel verändert?
Laila Grillo: Die wichtigsten blindentechnischen Hilfsmittel sind für mich v.a. das Handy, nicht mehr wegzudenken. Aber auch meine sprechende Küchenwaage, die SBB-App, Google Maps und die Karten-App auf dem iPhone sowie die App Seeing AI oder Be my Eyes (Erkennungsfunktion). Auch finde ich Chat GPT eine ganz gute Sache, wenn es als Unterstützung für gewisse Dinge gebraucht wird.
Ich denke, das Handy mit all seinen technischen Möglichkeiten hat uns blinden und sehbehinderten Menschen das Leben enorm erleichtert.
NÄHER ran: Vielen Dank, Laila, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.
Ganz aktuell: Laila Grillo mit Matin Iten in der Radio-Talkshow „persönlich“ auf Schweizer Radio SRF 1, Sonntag, 16.11.2025, Gastgeberin: Olivia Röllin, 51 min 52 sec.
Eine beindruckender DOK-Film über die blinde Bergsteigerin Laila Grillo kam im Schweizer Fernsehen am 27.10.2023 rsp. 31.12.2023 zur Ausstrahlung (42 min 07 sec):
Die blinde Bergsteigerin – Der Traum vom Gipfel mit Audiodeskription
Die blinde Bergsteigerin – Der Traum vom Gipfel (ohne Audiodeskription)